Frauenförderung ist Dummheit

Frauen seien in der Schweiz in Führungspositionen stark untervertreten. Dies wolle das Parlament nun im Rahmen einer Aktienrechtsreform diskutieren. Der Club des Schweizer Fernsehens ist nicht das einzige Medium, das derzeit Gender-Ungerechtigkeit thematisiert. Wetten, dass im abendlichen Talk wieder drei uralte und starre Paradigmen zum Zug kommen?

Wir diskutieren die Gender-Frage in Führungspositionen in der Schweiz seit fünfzig Jahren. Und es gibt im Normalfall nur drei Argumente, die ins Spiel gebracht werden. Alle drei führen ins Nichts:

  • «Es geht nicht um Mann oder Frau. Es braucht für jede Führungsposition die Besten, egal welchen Geschlechts.» 

Wer so argumentiert (meist Rechtsbürgerliche), tut so, als ob ein erfolgreiches Team einfach die Summe von einzelnen Kompetenzen sei, und blendet die Wirkung einer bestimmten Teamkonstellation komplett aus.

  • «Frauen müssen gefördert und zudem durch günstige Rahmenbedingungen wie etwa Teilzeitarbeit oder Kinderkrippen unterstützt werden.»

Die Forderung der Linken ist furchtbar altmodisch. Auch Feministinnen und Feministen dürfen zur Kenntnis nehmen, dass Frauen schlicht keine Förderung nötig haben. Sie sind ebenso gut gebildet wie Männer und können sich bezüglich Bedingungen ohne männliche oder staatliche Unterstützung durchsetzen. Denn Frauen haben Power.

  • «Es braucht eine Frauenquote.»

So argumentiert die intellektuelle Mitte. Ebenso falsch. Denn mit Zwang und Vorschriften wurde noch nie etwas verbessert.

Was es braucht, ist eine rein ökonomische Denkweise. Es ist längst belegt, dass gender-gemischte Teams weit effizienter, effektiver und erfolgreicher arbeiten als gleichgeschlechtliche Teams. Und damit Zeit, Geld und Energie sparen.

Oder glauben Sie, es sei Zufall, dass in der Schweiz eine atemberaubend grosse Anzahl erfolgreicher Unternehmen von einem Paar geführt wird? Aktuellstes Beispiel: Das Ehepaar Canepa führte den FC Zürich soeben zum Cupsieg. Wenn es um ambitionierte Projekte geht, sind Frau und Mann eben das mit Abstand erfolgreichste Team. 

(Nebenbei bemerkt: In der Liebe ist es häufig umgekehrt. Gute Beziehungen gelingen gleichgeschechtlichen Paaren öfters besser als Mann und Frau. Deshalb ist es längst Zeit für die Ehe für alle. Aber dies ist ein anderes Thema.)

Gleich viele Frauen wie Männer in ein Spitzenteam zu berufen, ist also keine gesellschaftliche, sondern eine unternehmerische Frage. Anders ausgedrückt: Wer ein ausgewogenes Führungsteam aus beiden Geschlechtern zusammenstellt, gewinnt umgehend an Kompetenz, Innovationskraft und Ausstrahlung. Der geniale Mix besteht aus:

  1. weiblicher Intuition
  2. männlichem Netzwerk
  3. weiblicher Bildung und Intelligenz
  4. männlicher Risikobereitschaft
  5. weiblicher Rationalität
  6. männlicher Spielfreude
  7. weiblicher Beharrlichkeit
  8. männlichem Wettbewerbsdenken
  9. weiblichem Mut
  10. männlichem Charme
  11. weiblicher Empathie
  12. männlicher Fantasie
  13. weiblicher Vitalität

 

In diesem Sinn verstehe ich meine Aussage im Titel: Frauen haben keine Förderung nötig. Wer allerdings auf ihre Kompetenz verzichtet, ist dumm.

Herzlich
André Kesper

André Kesper beschäftigt sich seit 30 Jahren intensiv mit Führungs- und Teamfragen. Er arbeitet als selbstständiger Moderator, Kommunikationsberater und Headhunter sowie als Experte für Bildungsevaluation. Sie finden ihn hier.

Ein Kommentar zu „Frauenförderung ist Dummheit

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  1. Hm ja. Überzeugend aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Aber nicht aus soziologischer und kulturwissenschaftlicher. Wer von zwei gleich erfolgreichen, gleichviel verdienenden, gleich lange arbeitenden Eltern sorgt dafür, dass der Haushalt (nicht aus dem Ruder) läuft? Wer bringt die Kinder ins Bett? Wer bringt sie zum und holt sie aus dem Kindergarten? Zu welchen Öffnungszeiten? Wer sucht die passende Kinderbetreuungsperson aus? Wer guckt nach den Hausaufgaben? Wer plant den Kindergeburtstag? Und wer geht (nur) in den Zoo und ins Freibad mit den Rangen? Wer darf/kann sich nebenher zeitlich noch Hobbys leisten? Wer zieht mit, auch hunderte oder tausende Kilometer, wenn wer wo anders einen tollen Job angeboten bekommt? Wer bleibt im sozialen Umfeld der Familie und verzichtet auf die Hilfe des anderen Elternteils? Wer kündigt seinen Superjob zugunsten einer Teilzeit-Sackgasse für wen, um mit der Familie zusammensein zu können oder die Zeit zu erübrigen, sich allein um sie zu kümmern? Etc. pp. Mama sein und Papa sein ist im heutigen gesellschaftlichen Umfeld in der Regel nicht mit vergleichbaren beruflichen Konsequenzen verbunden. Falls du das anders siehst, wäre ich dankbar für ein paar Links auf interessante Studien, die das belegen, denn es würde mich freuen, über entsprechende Entwicklungen informiert zu werden.

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