Kurzweilige Rhetorik im SRF-Club

Von Nicolas – Der Club vom 13. Juni 2017 war einer der informativsten und kurzweiligsten dieses Jahres. Die Diskussion über «Weltpolitik ohne Kompass» war auch aus rhetorischer Sicht interessant. Wir haben einige Aussagen von Weltwoche-Verleger Roger Köppel, Altbundesrat Moritz Leuenberger sowie Trendforscher David Bosshart analysiert.


«Ich sehe das nicht so extrem wie Sie!»

Moderator: Haben Sie auch das Gefühl, Unsicherheit sei die neue Devise in der Politik?

Leuenberger: «Ich habe dies nicht so empfunden. […] In so einem Wahlkampf muss dann etwas laufen und die Journalisten müssen schreiben, damit es spannend ist und damit alle nervös werden. Also, der Wahlausgang in Frankreich, das hat man doch im Voraus gewusst.  […] Ich bin nicht komplett ab der Rolle nach dem, was passiert ist.»

Moderator: Die Politikverdrossenheit, die man immer wieder hört, die da oben machen eh alles, sehen Sie das auch so?

Leuenberger: «Das hat es immer gegeben, das ist für mich überhaupt nichts Neues. Auch als ich als ganz junger Politiker angefangen habe, habe ich das selber erlebt. […] Diese Mentalität hat es immer gegeben. […] Ich sehe keine komplette Erschütterung des Erdballes.»

Fazit: Moritz Leuenberger nimmt die Aussage seines Gegenübers, übertreibt sie und verneint sie. «Nein, ich bin nicht komplett ab der Rolle, ich sehe keine Erschütterung des Erdballes.» Wenn man dieses rhetorische Mittel im Alltag anwenden will:

Machen Sie auch gerne früher Feierabend?
– Nein. Ich bin keiner, der sich noch vor der Mittagspause wieder verabschiedet.»


«Merken Sie sich nur diese 3 Sachen!»

Bosshart: «Rund 75 % der Menschen beziehen ihre Informationen über Social, über Search, über Fernsehen. Der Rest interessiert sie nicht mehr.»

Bosshart: «Wissen Sie, was die Leute gesucht haben während Obamas Rede? […] Wie alt ist der überhaupt? Warum hat der Vizepräsident eine grüne Krawatte? Wer ist die junge Frau hinter Joe Biden?»

Bosshart: «Erdogan nutzt die Krise brutal aus: Eine Stufe tiefer, dann kommt die Frage der Nation, dann die Ethnie, dann die Religion. Und dann ist man wirklich im Populismus drin.»

Fazit: David Bosshart unterlegt seine Ausführungen gerne mit drei Beispielen. Drei ist eine gute Zahl, so viel kann man sich merken. Wenn man dieses rhetorische Mittel im Alltag anwenden will:

Warum sollen wir ausgerechnet Sie einstellen?
– Ich identifiziere mich mit Ihrem Projekt, ich bringe neue Ideen ein und ich bin eine enthusiastische Person. Darum sollten Sie mich nehmen!


«Ich bringe Ihnen das ersehnte Happy End!»

Köppel: «Im Gefolge des Brexits kracht das ganze Partei-Establishment der Torres zusammen. Der Herr Cameron, strahlender Sieger vorher, muss sozusagen geknickt abtreten. Dann die Causa Trump, der Mann mit der seltsamen Frisur: Die haben gelacht vorher. […] Dann ist das Unfassbare eingetreten. […] Dann ist Herr Schulz gekommen: Heraufgejubelt als Supernova der SPD, Frau Merkel am Boden liegend, alle haben schon die Nachrufe geschrieben. […] Theresa May, Phönix aus der Asche […], die marschiert durch […] Ein Kuddelmuddel, ein Tohuwabohu, letzte Bemerkung für die Schweiz: Wir müssen schön unabhängig bleiben […] In diesen stürmischen Gewässern schön flexibel bleiben.»

Fazit: Roger Köppel formuliert ein dramatisches Märchen und präsentiert ein mögliches Happy End. Wenn man dieses rhetorische Mittel im Alltag anwenden will:

Sollen wir morgen in den Europapark?
– Anstrengende Fahrt, lange Warteschlangen, teure Preise, auf der ersten Bahn Nieselregen und nach der zweiten Übelkeit. Machen wir uns lieber einen gemütlichen Tag zu Hause.

Titelbild von SRF

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